Dass es sehr wohl möglich ist, die HD auszurotten, wenn man sich nur erhöhte Anforderungen stellt, beweist auf eindrucksvollste Weise Herr Werner Dalm. Und er hat uns dazu beeindruckende Zahlen samt Grafiken geschenkt.

 

Zwischen 1949 und 1989 war die Population in der Deutsche Demokratischen Republik auf sich alleine gestellt. Es wurde dort bei einer Tagung am 9.11.1967 festgehalten: “…, dass es sich bei der HD um eine erbliche Krankheit handelt, dass eine konsequente Bekämpfung erforderlich ist und dass der vollkommene Ausschluss an HD erkrankten  Hunden von der Zucht das Zukunftsziel aller Spezialzuchtgemeinschaften sein müsse.”

 

Ich erinnere an dieser Stelle nur kurz an meine Studien, welche dokumentieren, dass im SV weniger als die Hälfte aller DSH dysplasiefrei sind.

 

In seinem Buch: „Die Zucht des Deutschen Schäferhundes in der ehemaligen DDR -  Eine geschichtlich-fachliche Betrachtung“ dokumentiert der jetzt verstorbene Werner Dalm, ehemaliger Hauptzuchtwart für Deutsche Schäferhunde der DDR, selber Züchter (von der Zuchtstätte „vom Andershofer Ufer“ in Stralsund), was die absolute Referenz in Sachen HD-Bekämpfung ist.

 

Es werden in einer Liste, von Canto von Amicas bis Don vom Zisatal, nicht weniger als 301 Rüden, die mindestens 5 Nachkommen zählten (Stand zum 31.12 1987, also am Ende einer Epoche) namentlich genannt, und die Röntgenergebnisse aller ihrer Nachkommen wurden gezählt (Buchseiten 157 bis 165). Es geht hier immerhin um eine Stichprobe mit mehr als 11.000 Deutschen Schäferhunden aus der ehemaligen Republik.

HD-Bekämpfung: DDR versus SV

Die absolute Referenz in Sachen HD-Bekämpfung

Wirft man alle diese von Werner Dalm in mühseliger Arbeit zusammengesuchten Daten in eine Tabelle, kommt man zu einem unglaublichen Ergebnis!

 

Die Summe aller geröntgten Nachkommen beträgt insgesamt 11.092 Tiere. Nicht weniger als 10.270 davon bekamen ein HD-a (HD1)-Ergebnis! In Prozenten ausgedrückt: 92,59 %! Das ist eine fabelhafte Zahl, sind wir es ja mittlerweile gewohnt die heutigen SV-Zahlen als Referenz zu betrachten.

 

Vergleichen wir diese beiden Referenzen, und stellen wir sie direkt einander gegenüber, DDR gegen SV, dann bekommen Sie ein Gespür dafür, was der SV angerichtet hat, bzw. was er komplett verschlafen hat.

 

Auflistung Hr. Dalm

NK

a

b

c

d

ØHD-Quote

NK von 301 DDR-Rüden

11.092

10.270

376

196

250

1,14 

 In Prozenten:

100,00%

92,59%

3,39%

1,77%

2,25%

 

 

Die DDR-Übersicht zeigt uns die Verhältnisse in der DDR zum Stichtag 31.12.1987, also kurz vor der Wiedervereinigung.

 

Lesen Sie dazu im Buch von Werner Dalm unbedingt den Abschnitt: „7. HD-Bekämpfung“, Seiten 143 bis 156, und erinnern Sie Ihre Ortsgruppen- und Landesgruppenzuchtwarte an diese erfolgreichen Selektionsmaßnahmen in der DDR.

 

Genetics 03/2009

NK

a1

a2

a3

a4

a5

ØHD-Quote

SV-Statistik-Quoten

100,00%

59,35%

24,64%

11,40%

3,89%

0,73%

1,43

 

Die SV-Übersicht zeigt, auf Basis der SV-Genetics Database 03/2009, was der heutige Zustand ist, also was die Populationswerte in Deutschland sind.

 

Nun könnte man argumentieren, dass es einfach ist um viele HD1-Nachkommen zu präsentieren, wenn nur 7 oder 9 Nachkommen da sind. Dieses Argument greift gar nicht. Um die 40% der geröntgten Tiere in dieser Aufstellung werden durch die erfolgreichsten Rüden geliefert, 20 Rüden liefern bereits 4.391 der 11.092 Nachkommen. Auch wenn einige Rüden fast 500 Nachkommen liefern, ihre Durchschnitts-HD-Quote bleibt bei 1,11 oder 1,19!

 

Legen wir die Ergebnisse der „Top 20“ der Spitzenhunde der DDR direkt neben die der SV-Spitzentiere, so sind die Unterschiede gelinde gesagt, gravierend.

 

Gehen wir tatsächlich einen Schritt weiter und vergleichen die Nachkommenschaft der Top-Rüden der DDR einmal mit einer vergleichbaren Menge Nachkommen der Vorzüglich-Auslese-Rüden des SV, also ebenfalls 20 Rüden an der Zahl, dann bekommen wir einen Spitzenvergleich zwischen den beiden völlig unabhängig von einander agierenden Schäferhund-Vereinen und zwar über eine Menge von circa 4 bzw. 5.000 Nachkommen.

 

Schauen Sie sich die Top-20 der DDR an. Zusammen erreichen die Rüden bei ihren Nachkommen eine Ø HD-Quote von einer traumhaften 1,13.

 

Da können die letzten Ausleser der BSZS nicht mithalten. Mit ihren zweifelhaften HD-Befunden und ihren riesigen Nachkommenzahlen haben sie die Rasse schwer belastet und tun dies noch immer. Ihre ØHD-Quoten liegen heute bei 1,41 (Vegas du Haut Mansard), 1,35 (Pakros d‘ Ulmental), 1,44 (Zamp vom Thermodos), 1,62 (Larus von Batu), oder 1,40 (Bax von der Luisenstrasse). Die Quoten werden sich aber noch erheblich verschlechtern, wenn mehrere Befunde ihrer frischgeröntgten Nachkommen beim SV eintrudeln. Sieht also gar nicht gut aus.

 

Man braucht sich über diese schlimmen Gesamt-Ergebnisse auch wirklich nicht zu wundern, bauen diese Rüden ja in ihren jeweiligen Blutlinien auf zweifelhafte Vorfahren wie sie in diesen Top 20 zusammengefasst wurden auf, wie Zamb von der Wienerau (ØHD-Quote von 1,75) – er hatte seinen HD-Befund aus Italien mitgebracht! - und Jeck vom Noricum (ØHD-Quote von 1,61) – der bekanntlich einen HD3-Noch Zugelassen-Befund vorlegte (Wie hoch hat man denn seine sonstigen Vererber-Eigenschaften wohl eingeschätzt, dass man das Risiko die HD3 weiterzugeben aus dem Auge verlieren wollte? Er lieferte nicht weniger als 1.154 (schwer?) belastete Nachkommen!)

Vater Odin von der Tannenmeise lässt grüssen mit 1,68 – er kam aus Holland - und Großvater Quando von Arminius mit 1,79 – er war ein Sohn von Xaver von Arminius und Palme vom Wildsteiger Land. Wer sich die alten SV-Heftchen zumuten möchte, wird sich die zahllosen HD-befallenen Würfe dieser Paarung heraussuchen können.

 

War es nicht die Absicht, die Rasse mittels Super-Vererber (Rassen-Sieger oder Ausleser) die Rasse zu verbessern und die HD zu bekämpfen?

 

Note: Beachten Sie dabei auch noch, dass in der DDR ausnahmslos ALLE Nachkommen zur Röntgenkontrolle vorgeführt wurden, beim SV viele schlechte Diagnosen (durch schlaue Züchter) vorenthalten werden, das Ergebnis der ehemaligen Ausleser muss also noch um einige Zehntel nach oben korrigiert werden.

 

Am Ende einer Epoche (1987) trumpft der DDR Top-20 auf mit 92,6% HD-freien Tieren und einem ØHD-Grad bei den Nachkommen von 1,13.

 

Die SV-Spitzenhunde, fast ausnahmslos ehemalige Sieger, liefern nur 59,14% HD-freie Welpen (OHNE Zurückgehaltene Befunde = ZuBef-Korrektur!), und eine ernüchternde ØHD-Quote von 1,60. Beachten Sie bitte, dass diese Top 20-Rüden damit erheblich schlechter abschneiden als der Rassedurchschnitt von 1,43!!

 

Wach‘ auf SV!!

 

Es ist sehr schade, dass nach der Wiedervereinigung der SV nichts von seinen Kollegen gelernt hat, bzw. den vorbildlichen Anstrengungen und den Erkenntnissen der Schäferhund-Freunde aus dem Osten nicht Folge geleistet hat.

 

Nichts hat man getan! Die amtierenden Bundeszuchtwarte haben zusammen mit dem Zuchtbuchführer hingeschaut, …. und wieder weg-geschaut. Die SV-Genetics erfasst zwar bereits viele Daten, aber HD-Befunde sind nur für circa ein Drittel aller Schäferhunde eingereicht worden. Das reicht nicht aus für eine Zuchtwertschätzung. Gerade die Befunde von einer überdurchschnittlichen Menge an dysplastischen Tieren werden nicht registriert, sie fallen sozusagen “vom Tisch”. Mit allen Mitteln versucht man die Statistik auch clean zu halten. Bereits ein großer Teil der Hunde ist im Besitz von ausländischen Liebhabern, eingereichte Befunde von dysplastischen Tieren aus dem Ausland werden NICHT in die Genetics aufgenommen. Man hält sogar noch immer fest an der Definition “HD6”, obwohl man im Ausland korrekteste Diagnosen stellen kann (sogar weniger “milde” bewertet als in Deutschland) nach der FCI-Formulierung (A bis E). HD6-Hunden schenkt man ein A-Zeugnis, obwohl HD6 in Wirklichkeit steht für: A, B, ODER C, letzteres klar: HD-Noch Zugelassen. „Macht ja nichts, wenn er oder sie ein bisschen HD hat, was heißt schon C? Gebt dem Hund einen A-Stempel!!“ heißt es beim SV.

Was für ein Unfug und was für ein Betrug!

 

Der Wissenschaftler hält dazu fest:

„Sollten sich unsere Befürchtungen wirklich bestätigen, müssen die einzelnen Rasseklubs darüber aufgeklärt werden, dass damit die Bemühungen des Schäferhunde-Clubs und der HD-Kommissionen, die Zahl der an HD leidenden Hunden zu senken, unterlaufen werden.

Durch die Vorselektion würde vorgetäuscht, dass das bestehende Auswahlverfahren ausreichend ist. Zudem besteht die Gefahr, dass die insgesamt doch kostspielige Vorsorgeuntersuchung wirkungslos bleibt. Bei der finanziellen Last, welche die Hundebesitzer zu tragen haben, ist das ein höchst unbefriedigender Zustand. Die Kosten für das HD-Röntgen sind schlecht investiert, wenn die Rohdaten vor-selektiert und aus den Resultaten nicht die nötigen Konsequenzen gezogen werden.“ Ende Zitat.

 

Die Zuchtwertschätzung, wie sie bis dato beim SV betrieben wird, ist, auf Deutsch gelinde gesagt, ein Witz! Auch von Gefälligkeitsurteilen von befreundeten Tierärzten wird gemauschelt, es werden Tiere verwechselt, etc. Wie soll man da noch durchblicken? Und wieso braucht man “SV-Tierärzte”? Gibt es da eine gesonderte Ausbildung? Oder kann der durchschnittliche TA kein Röntgenbild beurteilen? Weshalb muss an der obersten Stelle über Jahrzehnten derselbe Mann das letzte Wort haben? Von Unbefangenheit kann keine Rede sein, wenn man zum innersten Kreis des Vorstandsgremiums gehört (wenngleich dies auch nirgends schriftlich festgehalten ist).

 

Zu der Zuchtwertschätzung lassen wir Prof. Dr. Mark Flückiger, von der Veterinär-Chirurgische Klinik von Zürich ausführen:

 

„Wie zuverlässig ist ein Zuchtwert?

Der Zuchtwert ist immer eine Schätzung, beruht aber auf erprobten Methoden. Es wird nicht einfach gewürfelt! Damit die Zuchtwertschätzung möglichst zuverlässig ausfällt, müssen möglichst viele Hunde untersucht und die Informationen an eine Zentrale weitergeleitet und statistisch erfasst werden. Theoretisch gelingt dies durch ein Röntgen-Obligatorium für alle Hunde einer Rasse. Ein solches Obligatorium ist natürlich nicht durchsetzbar.

Da ein Großteil der Welpen von relativ wenigen männlichen Tieren abstammt, prägen die Rüden die Qualität einer Rasse weit mehr als die Hündinnen. Für Zuchtrüden lässt sich der Zuchtwert deshalb relativ schnell bestimmen, da bereits 10 erfasste Nachkommen ausreichen.

Wichtig ist auch hier wieder, dass nicht nur Nachkommen mit guten Hüftgelenken berücksichtigt werden, sondern dass alle geröntgten Nachkommen einbezogen werden, sonst wird, noch viel ausgeprägter als beim bisherigen Verfahren, die Qualität eines Zuchttieres falsch wiedergegeben. Hündinnen können in ihrem Leben bestenfalls rund 50 Welpen bringen. Durch das lückenhafte Röntgen der Nachkommen sind deshalb erst nach ihrem letzten Wurf genügend geröntgte Nachkommen vorhanden, um ihren Zuchtwert zuverlässig zu berechnen. Bei Hündinnen ist der Zuchtwert deshalb weniger präzise. Äußerst wirksam wäre es, für die Berechnung des Zuchtwertes alle Nachkommen ohne offizielles HD-Ergebnis als dysplastisch einzustufen. Aber eine solche Maßnahme würde die Züchter und Hundebesitzer enorm ermuntern, ihre Tiere auf HD untersuchen und die Bilder offiziell auswerten zu lassen. Aus verständlichen Gründen ist ein solches Vorgehen nur schwerlich durchsetzbar.

Gewisse Klubs veröffentlichen die HD-Resultate der Zuchtrüden und der geröntgten Nachkommen, ein direkter züchterischer Nutzen wird daraus jedoch noch kaum je gezogen. HD-freie Rüden mit einen überdurchschnittlich hohen Anteil dysplastischer Nachkommen bleiben weiterhin im Zuchtgeschehen. Dabei könnte jeder Rasseklub dank der verfügbaren Daten die HD-Rate über eine einfache Zuchtbeschränkung reduzieren. Die Vorteile der Zuchtwertschätzung kommen nur voll zum Tragen, wenn bei der HD-Beurteilung die wirklich hervorragenden Tiere aus der Gruppe der guten hervorstechen. Dies ist dank der konsequenten Beurteilung, wie sie in der Schweiz erfolgt, in hohem Maße gesichert.“ Ende Zitat.

 

Beim SV in Deutschland werden Käufer, so wird mir berichtet, Käufer welche die Röntgenaufnahmen ihres dysplastischen Hundes zur Registrierung im SV-Datenbank einsenden wollen, vom Züchter am Telefon zur Schnecke gemacht, sie werden angepöbelt und sogar angeschrien, dass der Zuchtwert ihrer Hündin steigen wird, etc. Schickt man dem Züchter die Aufnahmen, so verschwinden sie auf nimmer wiedersehen. Es gibt überhaupt keine Zuchtbeschränkung (siehe bitte: „Das Deckgeschehen im Schosse des SV“ - der Ausleser-Deckrüde darf dort täglich ran), geschweige denn es würden Rüden aus der Zucht genommen. Es werden nur vereinzelt Nachkommen geröntgt, diese mit denen man züchten will. Hat das Tier dann eine Freigabe, wird es in die Zucht eingesetzt, man vergisst die vielen dysplastischen Geschwister, weil es reicht, wenn die Elterntiere mehr oder wenig gute Hüften haben. Meine Statistiken zeigen an, dass Tiere mit einen SV-Zuchtwert um die 85-95 gar nicht besser vererben. Gute Vererber findet man da, wo die Tiere einen Zuchtwert von 75 und weniger haben.

 

Aber schauen wir uns diese Top 20-Vergleiche DDR – SV mal genauer an: