Teil 2.

Ich wiederhole an dieser Stelle, dass die Nachkommen der DDR-Rüden ausnahmslos geröntgt wurden. Ich sage das, weil die SV-Ausleser, die hier verzeichnet sind, sehr viel mehr Nachkommen „produziert“ haben, ihre HD1-Befunde hier über die wirkliche Größenordnung der Nachkommenschaft nichts aussagen. Dementsprechend habe ich die „Produktions-Zahlen“ nachträglich in der Tabelle eingefügt.

 

Was lernen wir daraus?

 

Für 4.067 HD-freie NK brauchte man in der DDR nur 4.391 Tiere. Man kann ruhig sagen, dass die Selektionsmaßnahmen voll und ganz gegriffen haben.

Für 5.152 HD-freie NK brauchte man beim SV nicht weniger als 22.721 Tiere! Das ist ein Armutszeugnis für den größten und einflussreichsten Hundezüchterverband der Welt. Ich würde meinen, dass dieser Vergleich bzw. diese Erkenntnis wichtig genug ist um ausdrücklich daran festzuhalten.

 

Sollten Sie nach den Namen der DDR-Spitzenhunde neugierig geworden sein, so lesen Sie doch bitte das Buch von Werner Dalm. Ich will ja nur verraten, dass einige absolute Spitzenreiter im Bezug auf HD die folgenden Hunde sind:

HD-Bekämpfung: DDR versus SV

Die absolute Referenz in Sachen HD-Bekämpfung

Barry vom schwarzen Fliess, bei 137 NK sind 136 HD1 – ØHD-Quote 1,01

(DDR-Siegerausstellung 1980 V16, 1981 V14, 1982 V9)

Don vom Rolandsteich, bei 249 NK sind 244 HD1 – ØHD-Quote 1,02

(Beim SV sind nur 77 gelistet, wovon 24 geröntgt*) – (1983 V18, 1984 V6, 1985 V5)

Golf von Ritterberg, bei 188 NK sind 186 HD1 – ØHD-Quote 1,02

(DDR-Siegerausstellung 1980 V12, 1981 V10)

Held vom Ritterberg, bei 270 NK sind 264 HD1 – ØHD-Quote 1,04

(DDR-Siegerausstellung 1982 V8, 1984 V7 – Ingo von Rudingen-Sohn)

Ohle vom Rundeck, bei 455 NK sind 422 HD1 – ØHD-Quote 1,11

(DDR-Siegerausstellung 1974 V5, 1975 V7)

 

*= SV-Genetics verzeichnet die HD-Befunde lediglich ab circa 1986.

 

Herr Dalm hat uns mit seinen Zahlen wirklich beeindrucken können.

Freuen Sie sich also mit mir darüber, dass es sehr wohl Möglichkeiten gibt, die HD massiv einzuschränken, wenn man nur will.

 

Man hat mich des Öfteren gefragt, wie lange es meiner Einschätzung nach dauern muss, um die HD erheblich zurückzudrängen. Die Frage erübrigt sich völlig, wenn man die Geschichte von Werner Dalm und die der DDR-Hunde studiert. In weniger als 10, maximal nach 15 Jahren, wäre die HD-freie Population auf mehr als 90% angewachsen.

 

Nutzt man dabei Rüden, die ausreichend Zeit gehabt haben zur Ausreifung zu gelangen, bevor sie mit Decken anfangen – anstelle von den jungen Siegerbürschchen, die noch nichts bewiesen haben, aber bereits als Ausleser der Rasse gekört und gefeiert wurden, dann geht es hier lediglich um 4 bis 5 Generationen.

 

SV-Bundeszuchtwarte nehmen manchmal  den Mund ganz voll über richtungsweisende Zuchtanstrengungen, wissenschaftliche Beiräte und die intensive Arbeit von Zuchtausschüssen, aber geändert wird überhaupt nichts. Man fürchtet sich, weil einige Wenige um ihre lukrativen Umsätze bangen. Es wäre also wichtig, da anzusetzen, wo es weh tut. Jahrelang hat man die Statuten des Vereins aus dem Auge verloren, wohl eher bewusst als unbewusst. Das Triumvirat Martin-Schweikert-Göbl hat den Anfang gemacht (eine gut geölte SV-Maschine: richtungsweisender Präsident/Zuchtrichter  - ausführender Bundeszuchtwart – beauftragter Züchter), und dafür gesorgt, dass die ganze Rasse des DSHes kommerziell auf IHREN Hunden aufgebaut und fortgesetzt wurde. (Der Bottleneck des ganzen Siegerschau-Geschehens ist fast ausnahmslos aufgebaut auf Quando von Arminius (Xaver x Palme vom Wildsteiger Land) und auf Uran vom Wildsteiger Land (Irk/Pirol von Arminus), siehe dazu bitte meine Hall of Fame.) Andere Connections traten später in ihre Fußspuren, aber sie bauten auf den gleichen Blutlinien auf, so wie es sich der ehemalige Präsident Hermann Martin gewünscht hat: „Erhaltung der bestehenden Blutlinien“, und die Gesundheit des Schäferhundes blieb auf der Strecke. Jetzt müsste endlich das Großreinemachen seinen Anfang nehmen, es reicht.

 

Entschuldigungen wie diese, dass ein großes Schiff nur sehr langsam gewendet werden kann, sind lächerlich. Es bedürfte einer Führungskraft wie von Stephanitz, rabiat und rigoros, um eine umfassende Änderung durchzusetzen. Die Selektionsmaßnahmen sollten wie in der DDR rücksichtslos durchgeführt werden. In wenigen, kurzen Zeitabschnitten muss die Zucht auf dysplasiefreie Hunde umgestellt werden. Erfolge werden sich sofort einstellen, und die Züchter werden sich künftig von den massiven Klagen der geschädigten Käufern befreien können.

 

Machen wir es uns ganz einfach, Datenmaterial ist ja zur Genüge da – auch wenn es keiner mehr liest, und schauen wir uns mal an, wie lange es in der DDR gedauert hat.

HD-Ergebnisse der DDR

 

Die Tabelle wurde übernommen aus dem bereits erwähnten Buch von Werner Dalm.

 

Die Tabelle von Herrn Dalm lehrt uns, dass bei schrittweiser Durchsetzung von Selektionsmaßnahmen, wie sie in der DDR rigoros angewandt wurden, sich bereits nach weniger als 10 Jahren ein großer Erfolg einstellt. Die HD-freie Population steigt rasant von 55,7% (in etwa das übliche SV-Niveau, bezieht man die nicht eingesandten Befunde mit in die Rechnung, dann haben sogar weniger als die Hälfte der Schäferhunde dysplasiefreie Hüften) auf circa 90%.

 

Wer kann dagegen stimmen? Ich fordere den Verein auf, eine sofortige, längst fällige Änderung der Zuchtordnung in die Wege zu leiten, um dem Beispiel  der DDR zu folgen und die Hüftgelenksdysplasie einzudämmen. Es ist verantwortungslos, der Gesundheit des Deutschen Schäferhundes, sowie den SV-Züchtern und SV-Mitgliedern gegenüber, es NICHT zu tun.

 

Wenn es kommerzielle Belange gibt, dann verdienen sie es nicht, geschützt zu werden. Handel ist laut unseren Statuten nämlich verboten. Der SV muss endlich damit anfangen, im Dezemberheft die Ergebnisse der Siegerprüfungen an erster Stelle zu bringen, und die Resultate der Siegerschau nach hinten zu schieben, wo sie hingehören. Die Betonung liegt beim Deutschen Schäferhund auf „Gebrauchseigenschaften“, und die bringen unsere Ausleser nicht, der Schutzdienst wurde in den letzten Jahren zur Lachnummer. Die Prioritäten müssen neu gesetzt werden, Symbolisches kann dabei sehr wirksam sein. Das Marketinginstrument des Vereins sollte sich an die Arbeit machen und den bewussten Wechsel bekanntgeben: „Ab jetzt geht es um die Qualitäten des Hundes und seiner Gesundheit, nicht mehr um seine Schönheit!“

 

Wir erinnern dabei an die Worte von Max von Stephanitz im Körbuch 1931:

„Wir wissen heute z.B., dass und weshalb das Erscheinungsbild eines Zuchttieres keineswegs allein für seine Vererbungsfähigkeit in Betracht kommt. Schon diese Erkenntnis sollte der fehlerhaften Zuchtwahl aufgrund von Ausstellungserfolgen ein Ende gemacht werden. Wir haben aber auch lernen müssen, dass das „Blut“, wie wir es kurz nennen, nicht das allein Seligmachende in der Zucht ist, dass es sogar in seiner Überschätzung zu sehr folgenschweren Überzüchtungsschäden führen kann.“

 

Ich möchte dieses Thema nun mit zwei Zitaten von Werner Dalm ergänzen:

„Die Tabelle weist in der ersten Hälfte eine kontinuierliche Zunahme der HD-freien Hunde aus und bestätigt gleichzeitig die Richtigkeit und Wirksamkeit der Selektionsmaßnahmen. Dadurch, dass 1971 und 1979 die Hunde mit mittlerer und leichter HD aus der Zucht genommen wurden, aber auch durch die Kennzeichnung des HD-Status bei jedem Hundenamen, so dass die Züchter in die Selektion einbezogen wurden und sich an HD-freien Hunden orientierten, gab es nach der Wirksamkeit der Verdrängungskreuzung diese deutliche Zunahme der HD-freien Hunde.“

 

Und: „Wir hatten im Jahre 1985 unseren besten Stand mit 94,4% HD-freien Hunden.“

 

Und wie war das beim SV? (Aus meinen Manuskripten)

„Auf allen Ebenen des SV aber hat man versagt. Man hat alle befallenen Hunde in der Zucht belassen, sogar Hunde mit Noch Zugelassen-Befunden als Sieger gekürt, als gäbe es keine gesunden, über einwandfreie Hüften verfügende Alternativen. Ein Armutszeugnis für den größten Rassehundeverein der Welt und seine jeweiligen Zuchtwarte.

Wenn der Verein seit Jahrzehnten rumhadert mit dieser Krankheit, dann nur,  weil keiner den Mumm hat, zu zeigen, wo es langgeht. All zu viele kommerzielle Belange stehen im Vordergrund.“

 

Weitere Lektionen aus dem Buch

Haben wir, bzw. hat die Geschichte in der DDR nun an dieser Stelle bewiesen, dass eine HD-Bekämpfung kurzfristig sehr wohl möglich ist und Werner Dalms Thesen Berücksichtigung finden müssen, gerade wenn es jetzt schon ganz schlimm bestellt ist um den Deutschen Schäferhund, so möchte ich zwei weitere Themen, die man beim SV nicht in die Köpfe der Spitzenleute kriegt, wiederholen. Gerade weil sie auch von Herrn Dalm in diesem Buch angesprochen werden: das Fuchteln am Hunde und das Double-Handling bei Zuchtschauen und Körungen.

 

Zum Thema Fuchteln:

Zu dem Herumgefuchtele bei der Standmusterung und bei den Ruhephasen der Gangwerksmusterung bei Zuchtschauen, führte Werner Dalm wie folgt aus:

 

„Zum Abschluss des Themas Schauen ist noch zu berichten, dass bei der Standmusterung das freie Hinstellen der Hunde, nur mit Hilfe der Führerleine und ohne das Berühren mit den Händen erwünscht war. Der Zuchtrichter war berechtigt, das Aufbauen und Herumziehen mit den Händen am Hund zu untersagen.“

 

Hier klicken für Zitat Max von Stephanitz

 

Und zum Double-Handling schrieb Werner Dalm:

„Das übermäßige Anlocken und Anreizen der Hunde während der Schauen war verpönt und war den Richtern und Zuschauern gleichermaßen verhasst. Wenn während der Gangwerksmusterung und während der Platzierung der Hunde das übermäßige Anreizen nicht aufhörte, so waren unsere Zuchtrichter nach ein oder zwei Ermahnungen berechtigt, den betreffenden Hund zurückzustufen. Im Wesentlichen ging es aber auf unseren Schauen sehr diszipliniert zu, und es gab kaum Grund für Klagen.“

 

Na siehste! Es geht auch ohne! Der Zirkus muss aufhören, und man sollte eine disziplinierte Vorführung einhalten, nicht das Theater, das jetzt alle Zuschauer, geschweige denn den Richter stört. Der Hund wird „natürlich“ vorgeführt, ohne jegliche Berührung, und nicht ständig geknetet, hin und her geschubst oder mit Druck in Winkelungen hinein manipuliert.

 

Max von Stephanitz hatte uns bereits gezeigt wie es gemacht wird:

 

„Die Prüfung auf Gesamterscheinung, Ausdruck und Wesen erfolgt zunächst am ruhig herumgeführten Hunde, um ein Allgemeinbild zu bekommen, dann am stehenden; hier auch schon in die Einzelheiten eingehend. Die Beurteilung im Halten geschieht am besten auf einer ebenen, festen Fläche; wo die nicht vorhanden, kann man sich mit einer Bretterunterlage behelfen. Der Hund soll bei dieser Beurteilung in gleichmäßiger Gewichtsverteilung auf allen vier Läufen stehen, die Vorderläufe senkrecht, unterm Widerrist, die Hinterläufe ganz leicht zurückstehend, nicht überstreckt und unnatürlich herausgestellt. In dieser freien Haltung muss er während der ganzen Musterung erhalten werden, darf sich weder setzen, noch legen, noch herumtreten oder sich nach vorwärts in die Leine legen; er soll auch nicht durch Hals band oder Leine hochgereckt oder durch allerlei Mittelchen künstlich in Erregung gebracht werden.“

 

Es ist also fraglich, weshalb der SV es zulässt, dass der Hund so massiv manipuliert wird, wie das heutzutage auf Schauen der Fall ist. Ich schätze mal, dass eine Anweisung des Richtergremiums klare Verhältnisse für alle Teilnehmer geben kann. „Lass‘n Sie die Finger vom Hund, sonst geht’s raus!“

 

Mit diesem letzten Hinweis schließe ich diesen Kommentar zu der absoluten Referenz in Sachen Hüftgelenksdysplasie ab. Ich hoffe, Sie werden einiges davon mitnehmen in Ihre täglichen Arbeiten mit dem Hund und in Ihre Orts-bzw. Landesgruppen. Und wenn Sie gesunde Hunde züchten wollen, dürften Sie erst recht Nutzen ziehen aus den Lektionen von Herrn Dalm und Max von Stephanitz.

 

In diesem Sinne wünsche ich jedem seinen gesunden Deutschen Schäferhund.

 

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